Weibliche Fledermäuse sind sehr soziale Tiere und leben die meiste Zeit des Jahres in sozialen Gemeinschaften, sogenannten Wochenstuben. In der Gemeinschaft scheint es jedoch keine Rangordnung zu geben, daher sind aggressives Verhalten und Kämpfe selten. Stattdessen lassen sich soziale Gesten beobachten, beispielsweise die Mutter-Jungtier-Pflege oder kommunikative Rufe, die für Menschen sogar manchmal hörbar sind.

Im folgenden Text wird das Jahr beispielhaft für unsere heimischen Fledermäuse beschrieben.

Das Fledermaus-Jahr im Überblick. Zeichnung: Carolin Schepers.


Herbst

Im Herbst lassen sich Fledermäuse besonders gut beobachten. Zum einen beginnt im Spätsommer/Frühherbst die sogenannte „Schwärmzeit“. Das heißt, dass die Wochenstuben aufgelöst werden und die Jungen von den Müttern das Jagen erlernen. In diesem Zuge wird auch nach neuen Jagdgebieten und Sommerersatzquartieren gesucht. Leider kommt es hierbei immer wieder zu „Unfällen“, bei denen sich Fledermäuse versehentlich in Wohnungen verirren. Im Allgemeinen sind Fledermäuse jedoch sehr ortstreu und nutzen jährlich die gleichen Quartiere. Nur wenn ein Quartier nicht mehr bewohnbar ist, weichen sie auf ein Ersatzquartier aus. Leider werden tagtäglich Fledermausquartiere zerstört, wenn auch unwissentlich.  Daher lohnt es sich, Fledermauskästen aufzuhängen.

Fledermauskästen aus Holz eignen sich besonders gut, besonders mit einer unteren Öffnung. Foto: analogicus, Pixabay.

Auch findet die Paarung der meisten Fledermausarten ab Herbst statt. Als polygame Säugetiere kopuliert in der Regel ein Männchen mit mehreren Weibchen und umgekehrt. Das Sperma wird jedoch nicht direkt zur Eizelle geleitet, sondern vom Weibchen eingelagert. Fledermäuse gehören zu den Säugetieren, die das Sperma erst einlagern, um die Eizelle zu einem späteren Zeitpunkt zu befruchten. Nach der Paarungszeit suchen Fledermäuse Winterquartiere auf, in denen sie überwintern.

Das eigentliche „Schwärmen“ findet entsprechend vor den Winterquartieren statt, beispielsweise vor Höhlen, in denen einige Fledermaus-Arten den Winter verbringen.



Winter

Fledermäuse überwintern im Winterschlaf in sogenannten Winterquartieren. Da es während der kalten Jahreszeit kaum nachtaktive Insekten gibt, sind der Winterschlaf und das damit einhergehende Herunterfahren der Körperfunktionen überlebenswichtig. Während des Winterschlafes sinkt die Körpertemperatur der Fledermaus auf die Umgebungstemperatur, der Stoffwechsel und die Atmung verlangsamen­ sich und das Herz schlägt nur noch 10-60mal pro Minute (im Sommer schlägt das Herz einer Fledermaus im Flug bis zu 1000mal pro Minute). Fledermausarten, die den Winter unterirdisch verbringen, wachen nur bei Störung auf. Dies sollte unter allen Umständen verhindert werden, da der Aufwachprozess sehr viel Energie kostet und die Reserven meist nicht mehr für den Rest des Winters reichen und die Fledermäuse sterben.  Oberirdisch überwinternde Fledermausarten wachen meist nur in besonders kalten Nächten auf, ein Schutzmechanismus gegen das Erfrieren.

Als Winterquartiere für unterirdisch überwinternde Arten eignen sich meist Höhlen, alte Bunker, Keller und alte Wasserhochbehälter. Für oberirdisch überwinternde Arten eignen sich beispielsweise Gebäudenischen oder Baumhöhlen. Wichtig ist, dass die Temperaturen im niedrigen Plusbereich liegen und konstant über den Winter bleiben. Auch muss das Winterquartier eine hohe Luftfeuchtigkeit besitzen, da Fledermäuse aufgrund ihrer großen Flügeloberfläche schnell dehydrieren.

Aufgrund der großen Flughäute dehydrieren Fledermäuse schnell. Daher brauchen sie während des Winterschlafs ein konstant feuchtes Quartier. Foto: seagull, Pixabay.


Frühling

Im Frühling erwachen Fledermäuse aus ihrem Winterschlaf und verlassen ihr Winterquartier. Männchen leben ab jetzt allein oder in Junggesellengruppen, während die Weibchen sich zusammenschließen. Auch befruchten Weibchen nun die reife Eizelle mit dem eingelagerten Sperma.

Für viele Fledermausarten müssen Sommerquartiere warm und trocken sein, wie beispielsweise Dachstühle oder Fledermauskästen, wobei andere Arten, besonders die mit dem Lebensraum Wald, auch kühle Orte, wie beispielsweise Baumhöhlen, aufsuchen. Da die richtige Temperatur in den Sommerquartierenfür Fledermäuse sehr wichtig ist, sollten mehrere Fledermauskästen an verschiedenen Standorten installiert werden. Bei hohen Temperaturen eignen sich eher Fledermauskästen mit nord- oder östlicher Ausrichtung, bei niedrigen Temperaturne, wie beispielsweise im Frühjahr, eignet sich eine westl. oder südl. Ausrichtung.  

Große Abendsegler in einer künstlichen Baumhöhle. Foto: Gerhard Lakmann.

Mehr zu diesem Thema finden auf der Seite des Zweckverbands unter dem Thema Fledermäuse schützen.



Sommer

Fledermäuse gebären bereits im Mai und Juni ihre Jungtiere, in der Regel sind dies ein bis zwei Jungtiere. Leider ist die Jungensterblichkeit hoch, daher dauert es lange, bis sich eine geschwächte Fledermauspopulation wieder erholt. Das Jungtier wird nackt geboren und kann seine Körpertemperatur nicht regulieren. Daher hängen die Tiere in den Wochenstuben dicht zusammen und wärmen sie sich gegenseitig.

Schon nach wenigen Wochen sind die Jungtiere ausgewachsen und starten ihre ersten Flugversuche. Sie werden weiterhin von der Mutter gesäugt, bis sie alleine für sich sorgen können. Erst dann beginnt die sogenannte „Schwärmzeit“.  

Fledermäuse hängen gerne dicht aneinander und wärmen sich so gegenseitig. Foto: Jutta Bergener.




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Kategorien: Fledermausschutz